Die Altstadt Istanbuls 0

Von Marie-Thérèse Nercessian

Zurück nach Hause. Nach Europa. Istanbul liegt zwar nur teilweise in Europa, die Stadt eignet sich aber seiner Lage wegen ganz hervorragend als Stopover auf dem Weg von und nach Asien. Sie ist, geteilt durch den Bosporus, weltweit die einzige Stadt, die auf gleich zwei Kontinenten (Europa und Asien) liegt. Wegen der vielen Sehenswürdigkeiten und der quirligen Atmosphäre ist Istanbul aber auch für sich einen Kurzurlaub wert.

Lohnend ist eine Bootstour auf dem Bosporus: Die Seestraße zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer bietet beste Aussichten auf die europäische und asiatische Seite Istanbuls. Man kann auch über die 1560 Meter lange, 1973 eröffnete Bosporus Brücke fahren, die beide Kontinente verbindet. Oder einfach an der Uferpromenade am Meer entlangschlendern und in einem der Fischrestaurants einkehren.

Konstantinopel hieß Istanbul noch bis 1930. Mit mehr als 14 Millionen Einwohnern ist es die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei und das wirtschaftliche wie kulturelle Zentrum des Landes. Das alte Stadtzentrum des einstigen Konstantinopel mit seinen Stadtteilen Eminönü und Fatih liegt im Süden der europäischen Seite und erstreckt sich bis zum Goldenen Horn. In Fatih stehen noch viele schöne, in osmanischer Tradition gebaute, Holzhäuser. Die historische Altstadt ist Weltkulturerbe der Unesco. Die Architektur ist geprägt von antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Baustilen der Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen und Türken.

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Blaue Moschee und Hagia Sophia

Wer nur einen Nachmittag Zeit hat, dem sei folgender Spaziergang an einigen Top-Sights der Stadt vorbei empfohlen. Eines der Wahrzeichen Istanbuls und perfekt gelegen, um die (in Europa gelegene) Altstadt zu erkunden ist die 1616 fertiggestellte Sultan-Ahmed Moschee. Die Hauptmoschee der Stadt wird wegen der vielen blau-weißen Kacheln in ihrem Innern auch Blaue Moschee genannt. Ihren Namen erhielt die Moschee durch die vielen blau-weißen Fliesen in ihrem Inneren.

Von außen imponiert der gewaltige Bau mit gleich sechs Minaretten. Während der Gebetszeiten der Muslime müssen Touristen draußen bleiben. Dann heißt es für Besucher meist Schlange stehen. Während der Wartezeit können sie schon mal die Schautafeln mit den Besucherregeln studieren und sich überlegen, ob sie angemessen gekleidet sind. Frauen müssen ein Kopftuch tragen, Schultern und Knie müssen bedeckt sein. Ich funktioniere kurzerhand meinen Schal (es hat gerade mal sieben Grad!) zum Kopftuch um, im Vorraum der Moschee kommen dann noch die Schuhe in einen Plastikbeutel und schon bin ich drin. Und staune erst mal mit den anderen, wie groß und prächtig und – ja, auch wie blau – das Innere der Moschee ist.

Nur einen kurzen Spaziergang entfernt liegt die kaum weniger bekannte Hagia Sophia (auch Sophienkirche). Sie wurde ursprünglich (um 532 nach Christi Geburt) als byzantinische Kirche gebaut. Nach der Eroberung Konstantinopels durch Sultan Mehmed II. 1453 und dem Untergang des Byzantinischen Reichs wurde die Hagia Sophia zur Moschee. Und 1934 dann schließlich zum Museum.

Topkapi Palast und Museen

Archäologische Museen liegen auch auf dem weiteren Weg zum 1453 erbauten Topkapi Palast. Der Palast war in den letzten Jahrhunderten sowohl Wohn- als auch Regierungssitz der Sultane und liegt direkt am Bosporus. Bis zu 5000 Personen lebten dort zu Zeiten des Osmanischen Reiches. Die Palast-Anlage umfasst etliche Gebäude und eine weitläufige Gartenanlage. Seit 1923 ist ein Großteil der Anlage Museum. Zu sehen sind neben islamischen Reliquien: Porzellan, handschriftliche Dokumente und Bilder sowie Juwelen, Kleidung und Waffen aus dem osmanischen Reich. Und für Muslime Bedeutsames wie die Waffen Mohammeds, eines der ältesten Exemplare des Korans und – Barthaare des Propheten Mohammed. Wer die Eintrittspreise umgehen will oder außerhalb der Besichtigungszeiten eintrifft, kann sich immer noch am Panoramablick über den Bosporus und die Stadt erfreuen.

Der Große Basar (Kapali Çarşi) liegt im Herzen der Altstadt und macht seinem Namen alle Ehre: Gleich 17 Tore führen hinein, ins Gassengewirr, das sich bis zur Beyazıt-Moschee erstreckt. Auf rund 32.000 Quadratmetern kann man hier auf überdachten Basaren und in mehr als 4000 Geschäften (kunst)handwerkliche Produkte, Souvenirs, silbernen und goldenen Schmuck und natürlich Teppiche einkaufen. Sortiert ist der Markt nach Handwerks- und Gewerbearten. Im Zentrum liegt der älteste Teil: das Alte Bedesten mit seinen vielen Antiquitätenhändlern, die auch originale russische und griechische Ikonen anbieten. Wem das alles schnuppe ist, der geht auf den Bücherbasar, einen Tee trinken oder ans Wasser:  Die Tore in Richtung Goldenes Horn führen durch das Holzhandwerkerviertel Tahtakale bis zum Meer.